Das größte Hindernis für ein Auslandspraktikum ist selten die Motivation — es ist die Finanzierung. Die gute Nachricht: Es gibt mehr Geld für Auslandspraktika als die meisten Studierenden wissen. Wer die richtigen Programme kennt und rechtzeitig beantragt, kann sein Praktikum im Ausland zu einem großen Teil durch Förderungen finanzieren.
Erasmus+ Traineeship: der wichtigste Fördertopf für Auslandspraktika
Das Erasmus+ Traineeship ist das wichtigste und zugänglichste Förderprogramm für Praktika im Ausland. Anders als viele denken, ist es vollständig unabhängig vom Erasmus-Auslandssemester — du musst nicht vorher im Ausland studiert haben.
Förderhöhen für deutsche Studierende 2025/2026:
- Spanien, Portugal, Italien, Frankreich: 600 EUR pro Monat
- Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz: 600 EUR pro Monat
- Australien, Japan, USA (Partnerländer): 700 EUR pro Monat
- Länder der Gruppe 3 (Osteuropa): 400 EUR pro Monat
Voraussetzungen: Einschreibung an einer deutschen Hochschule, fachlicher Bezug zum Studium, Praktikumsdauer 2 bis 12 Monate, aktives Erasmus-Programm an deiner Hochschule (nahezu überall vorhanden).
Antrag: Über das International Office deiner Hochschule, idealerweise 3 bis 4 Monate vor Praktikumsbeginn. Das Geld wird in zwei Tranchen ausgezahlt: 80% vor dem Praktikum, 20% danach.
DAAD-Stipendien für Auslandspraktika
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet mehrere Programme speziell für Auslandspraktika:
IAESTE: Praktika in Ingenieur-, Natur- und Forstwirtschaftswissenschaften. Vollfinanziert durch das Gastgeberland — Unterkunft und Lebenshaltungskosten werden übernommen. Bewerbungsfrist: 1. Dezember für das Folgejahr. Für Studierende in MINT-Fächern die erste Anlaufstelle.
DAAD Stipendium für Abschlussarbeiten im Ausland: Wenn du im Rahmen deines Praktikums deine Bachelor- oder Masterarbeit schreibst, gibt es separate DAAD-Stipendien von 750 bis 1.200 EUR pro Monat je nach Zielland.
Primus-Programm: Speziell für Studierende aus einkommensschwachen Familien. 300 EUR monatlicher Zuschuss zusätzlich zu anderen Förderungen. Bewerbung über die eigene Hochschule.
Kombinierbar: Erasmus+ und andere Förderungen
Das oft nicht bekannte Geheimnis: Erasmus+ kann mit BAföG kombiniert werden. Wer BAföG erhält, bekommt während eines Erasmus-Praktikums im Ausland einen pauschalen Auslandszuschlag. Die genaue Höhe hängt von Land und individuellem BAföG-Bescheid ab — typisch sind 300 bis 500 EUR monatlich zusätzlich.
Erasmus+ plus BAföG-Auslandszuschlag plus bezahltes Praktikum: In Städten wie Barcelona oder Valencia ist das Praktikum damit oft vollständig finanzierbar.
Stipendien nach Zielland
Einige Länder haben eigene Sonderprogramme für deutsche Studierende:
- Australien und Neuseeland: Working Holiday Visa für 18- bis 30-Jährige. Ermöglicht Arbeit (auch Praktika) für bis zu 12 Monate ohne gesondertes Arbeitsvisum. Kombination mit Erasmus+-Förderung möglich.
- Japan: DAAD-Stipendien speziell für Japan sowie Japan Foundation Programme. Kombination mit Erasmus+ für Partnerländer möglich.
- Frankreich: Office Franco-Allemand pour la Jeunesse (OFAJ) — Zuschüsse für deutsch-französische Austauschprogramme, auch für Praktika.
- USA: J-1 Visum (Exchange Visitor Program) für Praktika. In Kombination mit DAAD oder Hochschul-Partnerschaften oft teilfinanziert.
Was bezahlte Praktika wirklich bringen
Neben Stipendien ist die direkteste Finanzierungsquelle ein bezahltes Praktikum. In vielen Ländern sind Praktika gesetzlich vergütungspflichtig:
- Deutschland (zum Vergleich): Mindestlohn 13,00 EUR/Stunde für Pflichtpraktika über 3 Monate.
- Spanien: Praktika über 3 Monate: Mindest-Praktikumsvergütung ab 2024 gesetzlich eingeführt.
- Australien: Mindestlohn 15,50 AUD/Stunde (ca. 9,50 EUR) — für Pflichtpraktika teils ausgenommen, für bezahlte Positionen aber verpflichtend.
- Niederlande: Keine gesetzliche Pflicht, aber Marktstandard bei 500 bis 800 EUR/Monat.
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