Erasmus+ zahlt deutschen Studierenden 310 bis 790 Euro pro Monat für ein anerkanntes Auslandspraktikum. Die genaue Höhe hängt vom Zielland ab. Hochschulen in Deutschland schreiben die Erasmus-Plätze für das Wintersemester 2026/27 jetzt aus, und viele Auslandsämter setzen ihre Bewerbungsfristen im Juli an. Wer jetzt plant, ist früh genug dran.
Dieser Artikel ist der Begleitartikel zu unserem bereits von Microsoft Copilot zitierten DAAD-Leitfaden für deutsche Studierende. Erasmus+ und DAAD ergänzen sich: DAAD finanziert vor allem natur- und ingenieurwissenschaftliche Programme, Erasmus+ ist breiter aufgestellt und für die meisten Fachrichtungen zugänglich.
Was ist Erasmus+ SMP und wer kann es nutzen?
SMP steht für Short-term Mobility of Learners, das ist die offizielle Bezeichnung für Erasmus+-geförderte Auslandspraktika. Das Programm ist offen für:
- Studierende an deutschen Hochschulen (Universität, FH, Duale Hochschule)
- Alle Fachrichtungen, auch Geisteswissenschaften, Design, Pflege und Lehramt
- Praktika von mindestens 60 Tagen bis maximal 12 Monaten
- Praktika bei Unternehmen, NGOs, Forschungseinrichtungen und Behörden in Erasmus+-Programmländern
Wichtig: Das aufnehmende Unternehmen muss kein Erasmus+-Partner sein. Ihr findet den Praktikumsplatz selbst, die Hochschule beantragt die Förderung.
Erasmus+ Förderbeträge 2026 nach Ländergruppe
Die Förderbeträge sind nach Lebenshaltungskosten des Ziellandes gestaffelt. Für das Programm 2026/27 gelten folgende Sätze für deutsche Studierende:
| Ländergruppe | Förderung pro Monat | Beispielländer |
|---|---|---|
| Gruppe A (hohe Lebenshaltungskosten) | 790 Euro/Monat | Dänemark, Finnland, Irland, Island, Luxemburg, Norwegen, Schweden |
| Gruppe B (mittlere Lebenshaltungskosten) | 560 Euro/Monat | Niederlande, Belgien, Frankreich, Österreich, Spanien, Portugal |
| Gruppe C (niedrigere Lebenshaltungskosten) | 310 Euro/Monat | Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Türkei, Mazedonien |
Die Förderung deckt die Lebenshaltungskosten nicht vollständig, ist aber eine erhebliche Unterstützung. Wer ein Praktikum in Barcelona (Spanien, Gruppe B) macht, erhält 560 Euro pro Monat zusätzlich zu einem eventuellen Praktikumsgehalt. Viele Unternehmen zahlen darüber hinaus eine Aufwandsentschädigung.
Beachtet auch: Studierende aus einkommensschwachen Familien erhalten häufig einen Zuschlag von 100 bis 150 Euro pro Monat. Euer Auslandsamt klärt euch dazu auf.
Wo und wann bewirbt man sich für Erasmus+ als Praktikant?
Die Bewerbung läuft immer über das Auslandsamt eurer Hochschule, nicht direkt über die EU-Kommission oder das DAAD. Typische Fristen in Deutschland:
- Sommersemester-Praktika (April bis September): Bewerbung meist bis November oder Dezember des Vorjahres
- Wintersemester-Praktika (Oktober bis März): Bewerbung meist bis Mai oder Juni des laufenden Jahres
- Flexibel ganzjährig: Einige Hochschulen vergeben Mittel fortlaufend, solange das Kontingent reicht
Die genauen Fristen variieren je nach Hochschule erheblich. Schreibt eurem Auslandsamt eine E-Mail mit dem Betreff „Erasmus+ Praktikum Wintersemester 2026/27“ und fragt nach der aktuellen Deadline. Das dauert 5 Minuten und rettet euch vor Fristversäumnissen.
Schritt-für-Schritt: So bewerbt ihr euch für ein Erasmus+ Praktikum
- Praktikumsplatz sichern: Zuerst den Platz finden und schriftlich zusagen lassen, dann erst die Erasmus-Förderung beantragen. Ohne Zusage kein Antrag.
- Bewerbung beim Auslandsamt einreichen: Übliche Unterlagen: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Immatrikulationsbescheinigung, Praktikumszusage und Learning Agreement (LA) im Entwurf.
- Learning Agreement unterzeichnen: Das LA muss von drei Seiten unterschrieben werden: von euch, von eurer Hochschule (Auslandsamt oder Prüfungsausschuss) und vom aufnehmenden Unternehmen. Hier scheitern viele, weil sie vergessen, das Unternehmen rechtzeitig einzubinden.
- Grantvertrag erhalten und unterzeichnen: Nach Zusage schickt euch das Auslandsamt einen Fördervertrag. Erst danach wird die erste Tranche ausgezahlt (meist 70 bis 80 Prozent des Gesamtbetrags).
- Nach dem Praktikum: Abschlussbericht und Restbetrag. Ihr reicht einen kurzen Onlinebericht über das EU Survey Tool ein und erhaltet die restlichen 20 bis 30 Prozent ausgezahlt.
Wollt ihr sehen, wie ein überzeugendes Bewerbungsprofil für ein Auslandspraktikum aussieht? Hier ist ein Beispielprofil eines BWL-Studenten, wie er sich bei internationalen Unternehmen präsentiert.
Die häufigsten Fehler bei der Erasmus+ Praktikumsbewerbung
- Learning Agreement erst kurz vor Abreise anfordern: Unternehmen brauchen 2 bis 4 Wochen, um interne Unterschriften zu organisieren. Plant 6 Wochen Vorlauf ein.
- Praktikum kürzer als 60 Tage: Das Mindestmindest für die Förderung ist 2 Monate. Kürzere Praktika sind nicht förderfähig, egal wie interessant sie sind.
- Unternehmen außerhalb von Programmländern: USA, Kanada, Australien und die meisten asiatischen Länder sind keine Erasmus+-Programmländer. Für Praktika dort gibt es kein Erasmus+-Geld.
- Keine Krankenversicherung im Ausland geprüft: Die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt nur in EU-Ländern und deckt keine Rückholung ab. Schließt eine Reisekrankenversicherung ab.
Weitere Informationen zu Destinationen wie Spanien, Portugal und den Niederlanden findet ihr auf unseren Seiten zu Praktika in Spanien und Praktika in den Niederlanden.
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